Ein Bewerbungsfoto hat eine unangenehme Eigenschaft: Es wird in ungefähr einer Sekunde beurteilt, und zwar bevor irgendjemand Ihren Lebenslauf gelesen hat. Die gute Nachricht ist, dass diese Sekunde weitgehend planbar ist – sie hängt an Haltung, Kleidung und Blick, nicht an Ihrem Aussehen.
Hier steht, worauf es dabei ankommt. Vieles davon können Sie auch selbst beeinflussen, wenn Sie zu einem anderen Fotografen gehen.
Die Haltung: was der Körper sagt, bevor Sie etwas sagen
Die verbreitetste Pose ist auch die schwächste: frontal zur Kamera, beide Schultern parallel, Gewicht auf beiden Beinen. Das wirkt wie ein Passfoto – korrekt und leblos.
Besser funktioniert diese Kombination:
- Körper leicht schräg zur Kamera, etwa 30 Grad. Das öffnet die Haltung und lässt die Silhouette schmaler wirken.
- Gesicht gerade zur Kamera zurückgedreht. Diese kleine Gegenbewegung erzeugt Zugewandtheit.
- Gewicht auf das hintere Bein. Klingt nach einem Detail, verändert aber die ganze Körperspannung.
- Schultern zurück und dann fallen lassen. Nicht hochziehen – das sieht angespannt aus und macht den Hals kurz.
- Kinn minimal nach vorn und leicht nach unten. Der unbeliebteste Tipp und der wirksamste: Er definiert die Kieferlinie.
Drei Varianten, die zuverlässig funktionieren
Die aufrechte. Stehend, leicht gedreht, Arme entspannt an der Seite. Neutral und für jede Branche brauchbar – wenn Sie nur ein Bild machen, dann dieses.
Die zugewandte. Sitzend, Unterarme locker auf den Oberschenkeln, leicht nach vorn geneigt. Wirkt gesprächsbereit und passt gut für Beratung, Pflege, Bildung und alles, wo Menschen im Mittelpunkt stehen.
Die ruhige. Stehend, Arme locker verschränkt, Schultern bewusst tief. Vorsicht: Verschränkte Arme können abweisend wirken – das funktioniert nur mit freundlichem Gesicht und lockeren Schultern.
Was ich nicht empfehle: die Hand am Kinn, das Anlehnen an eine Wand mit überkreuzten Beinen, den Blick in die Ferne. Solche Posen sehen auf Werbebildern gut aus und auf Bewerbungsfotos gestellt.
Kleidung: die Regel ist einfacher, als man denkt
Tragen Sie das, was Sie im Vorstellungsgespräch anziehen würden – eine Spur ordentlicher. Nicht mehr, nicht weniger. Ein Handwerker im Anzug wirkt genauso unpassend wie eine Bankerin im Kapuzenpullover.
Farben, die im Studiolicht gut kommen: Marine, Anthrazit, warmes Grau, Weiss und Creme, gedecktes Grün, Bordeaux. Sie wärmen den Hautton und lenken nicht ab.
Was auf Bildern stört: grosse Logos und Schriftzüge, enge Streifen und kleinteilige Karos (sie können flimmern), Neonfarben (sie färben als Schimmer auf Kinn und Hals ab), stark glänzende Stoffe.
Zwei Kleinigkeiten, an die kaum jemand denkt und die auf jedem zweiten Bild zu sehen sind: Der Kragen sollte sauber liegen – am besten bringen Sie ein Ersatzoberteil mit und ziehen es erst im Studio an. Und Schmuck lieber weniger: Eine grosse Kette zieht den Blick genau dorthin, wo er nicht hinsoll.
Der Blick, und warum das Lächeln oft danebengeht
Ein Lächeln auf Kommando entsteht im Mund und bleibt dort. Man sieht das sofort – die Augen machen nicht mit.
Deshalb arbeite ich anders: Wir reden während des Fotografierens. Ich frage etwas, Sie antworten, und irgendwo in dieser Antwort entsteht ein echter Ausdruck. Diese Bilder sind fast immer die brauchbaren.
Für die Stärke des Lächelns gilt eine grobe Faustregel: Je konservativer die Branche, desto zurückhaltender. Bei Banken, Recht und Verwaltung wirkt ein freundlicher, geschlossener Mund souverän. In Pflege, Bildung, Gastronomie und Verkauf darf es offen und herzlich sein.
Hintergrund und Ausschnitt
Der Hintergrund soll nichts erzählen. Ein ruhiges Grau, ein sanft abgestuftes Weiss oder ein dezent unscharfer Raum – mehr braucht es nicht. Alles, was im Hintergrund erkennbar ist, wird angeschaut statt Ihr Gesicht.
Beim Ausschnitt: Kopf und Schultern bis etwa zur Brust, wenig Luft über dem Kopf. Für LinkedIn lohnt sich eine engere Fassung, weil das Bild dort klein und rund dargestellt wird – ein Ganzkörperbild ist auf einem Handybildschirm nicht mehr zu erkennen.
Die häufigsten Fehler in einer Liste
- Das Selfie oder der zugeschnittene Schnappschuss. Man sieht es immer, auch wenn jemand anderes wegretuschiert wurde.
- Zu alt. Wenn das Bild älter als drei Jahre ist, überrascht das Gespräch beide Seiten.
- Zu stark bearbeitet. Wer im Gespräch anders aussieht als auf dem Bild, hat nichts gewonnen.
- Frisch geschnittene Haare am Shootingtag. Zwei bis drei Tage vorher ist besser – dann sitzt alles natürlicher.
- Nur ein einziges Bild. Zwei bis drei Varianten decken Dossier, LinkedIn und Firmenseite ab.
Wenn Sie das nicht selbst zusammenbauen möchten: Bei einem Business Portrait im Studio Hitzkirch übernehme ich die Anweisungen zu Haltung, Blick und Ausschnitt komplett – Sie müssen nichts vorbereiten ausser der Kleidung. Termine über die Anfrage.
Wohin gehört das Foto im Lebenslauf?
In der Schweiz steht das Bewerbungsfoto üblicherweise oben rechts auf der ersten Seite des Lebenslaufs, auf gleicher Höhe wie Ihr Name und die Kontaktdaten. Manche setzen es oben links – auch das ist gebräuchlich, solange es nicht mit dem Namen kollidiert.
Was sich bewährt hat:
- Auf den Lebenslauf, nicht aufs Motivationsschreiben. Ein Bild pro Dossier genügt.
- Hochformat, etwa 3,5 × 4,5 cm bis 4 × 6 cm. Grösser wirkt schnell dominant.
- Eingebettet, nicht angeheftet. Ein separat mitgeschicktes Bild geht im Mailverkehr verloren.
- Dieselbe Aufnahme auf LinkedIn. Wer im Dossier und im Profil gleich aussieht, wird wiedererkannt – das klingt banal, wirkt aber.
Und die Frage, die häufig mitkommt: Ein Foto ist in der Schweiz freiwillig. Üblich ist es trotzdem, und ein gutes Bild hilft mehr, als ein fehlendes schadet.
Häufige Fragen zum Bewerbungsfoto
Welche Pose eignet sich für ein Bewerbungsfoto?
Der Körper leicht schräg zur Kamera, das Gesicht gerade dazu. Diese Drehung wirkt offener als frontal und schmaler zugleich. Das Gewicht auf das hintere Bein, die Schultern zurück und locker unten – so wirkt die Haltung aufrecht, ohne steif zu sein.
Was zieht man für ein Bewerbungsfoto an?
Etwas, das Sie im Vorstellungsgespräch auch tragen würden, eine Spur ordentlicher. Gedeckte, einfarbige Töne wie Marine, Grau, Weiss oder gedecktes Grün funktionieren am besten. Grosse Logos, enge Streifen und Neonfarben lenken vom Gesicht ab.
Soll man auf dem Bewerbungsfoto lächeln?
Ja, aber echt und zurückhaltend. Ein freundlicher, geschlossener Mund wirkt in den meisten Branchen souveräner als ein breites Lachen. Entscheidend sind die Augen – ein Lächeln, das dort nicht ankommt, sieht aufgesetzt aus.
Welcher Bildausschnitt ist richtig?
Kopf und Schultern bis etwa zur Brust. Über dem Kopf bleibt wenig Luft, der Blick geht leicht ausserhalb der Mitte. Für LinkedIn ist ein engerer Ausschnitt sinnvoll, weil das Bild dort sehr klein und rund dargestellt wird.
Wie viele Bewerbungsfotos braucht man?
Zwei bis drei verschiedene reichen: eines fürs Dossier, eines für LinkedIn oder Xing und eventuell eines im Querformat für die Firmenwebsite. Mehr als drei werden erfahrungsgemäss nie verwendet.
Wohin gehört das Foto im Lebenslauf?
In der Schweiz üblicherweise oben rechts auf der ersten Seite des Lebenslaufs, auf Höhe von Name und Kontaktdaten. Hochformat, etwa 3,5 × 4,5 cm bis 4 × 6 cm, direkt eingebettet statt separat angehängt. Ein Foto ist freiwillig, aber üblich.



















